In Zeiten von massiven Verletzungen der Netzneutralität, WLAN-Störerhaftung, Abmahnindustrie und gewollten Ausbauverzögerungen von Internet-Breitbandanschlüssen in deutschen Haushalten braucht es eine Gegenbewegung. Bestenfalls mehrere. Eine davon gibt es seit über 10 Jahren und nennt sich Freifunk. Was Freifunk ist, steht auf der offiziellen Website:
Freifunk ist eine nicht-kommerzielle Initiative für freie Funknetzwerke. Freie Netze werden von immer mehr Bürgern in Eigenregie aufgebaut und gewartet. Jeder Nutzer im Freifunk-Netz stellt seinen WLAN-Router für den Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung. Im Gegenzug kann er oder sie ebenfalls Daten, wie zum Beispiel Text, Musik und Filme über das interne Freifunk-Netz übertragen oder über von Teilnehmern eingerichtete Dienste im Netz Chatten, Telefonieren und gemeinsam Onlinegames spielen. Viele Teilnehmer stellen zudem ihren Internetzugang zur Verfügung und ermöglichen anderen den Zugang zum weltweiten Netz. Freifunk-Netze sind Selbstmach-Netze.
Um Dezentralität zu fördern, gibt es deutschlandweit regionale Vereine und lokale Zellen. Für den rheinländischen Raum bietet sich der Freifunk-Rheinland an, der seinen Mitgliedern eigene Infrastruktur zur Verfügung stellt. Freifunk-Rheinland selbst untergliedert sich widerum in mehrere Zellen: Eine große davon ist in Düsseldorf mit vielen vernetzten WLAN-Routern (Nodes). Das Ruhrgebiet hingegen ist auf der Karte größtenteils Niemandsland. Seit kurzem gibt es endlich eine lebendige und wachsende Freifunk-Zelle in der Ruhrmetropole Essen. Als Kickoff-Veranstaltung haben sich die Essener den Freifunktag im Niemandsland (sic!) am diesjährigen Towel Day ausgesucht.
Der Essener Hackerspace foobar e. V. wird sich nun als Freifunk-Rheinland-Mitglied beteiligen. Eigene monatliche Freifunk-Treffen sind in Planung. Die ersten Nodes sind mit der Freifunk-Rheinland-Firmware geflasht und stehen in den Startlöchern. Meine eigene Node, die ich Daheim platziert habe, läuft bereits und bietet allen in der Umgebung freies WLAN mit Internet-Zugang an. Mittels VPN umgehe ich der Störerhaftung.
Das ganze Thema (“freies WLAN für alle”) klingt beim ersten Hören erst einmal grandios (ist es ja auch), doch schnell werden Probleme Herausforderungen ersichtlich. Doch Dank der sehr aktiven Freifunk-Rheinland-Community war es uns Essenern ein leichtes, einen guten und überraschend schnellen Start hinzulegen. Vielen Dank an dieser Stelle!
Die Aufwendungen sind moderat: Ein guter WLAN-Router kostet ca. 20 Euro in der Anschaffung und ca. 25 Euro jährlich im Betrieb, die Mitgliedschaft im Freifunk-Rheinland e. V. 60 Euro im Jahr. Der Arbeitsaufwand ist so gering, dass es richtig Spaß macht! Hilfe bekommt man bei den regelmäßigen Treffen und im Internetz. Vor allem für Geschäfte, Cafés, Bars usw. wird es durch Freifunk ein leichtes, Kunden einen kostenlosen und rechtssicheren Internet-Zugang zu ermöglichen. Privatleute können Freunden und Nachbarn Internet und mehr zur Verfügung stellen.
Warum also Freifunk? Gegenfrage: Warum nicht?
Vom 05. bis 07. Juli findet in Köln wieder die SIGINT statt. Sie gehört nach dem Chaos Communication Congress zu den bekanntesten Hacker-Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs. Neben klassischen Hacker-Themen bietet die SIGINT vor allem (netz-)politische und soziale Aspekte. Die Veranstaltung wächst von Jahr zu Jahr und lockt immer mehr Menschen in ein schöne Location im Medienpark.
Daher freut es mich sehr, dass der Chaospott (Erfa Essen) mit dem Open-Data-Projekt DocPatch auf der SIGINT vertreten sein wird! In einem Vortrag soll es um die Ideen und Ziele von DocPatch gehen – quasi ein Rundumschlag von den Anfängen, über die Veröffentlichung diese Woche bis hin zu zukünftigen Entwicklungen.
Mir wurde die Ehre zuteil, stellvertretend für alle am Projekt Beteiligten diesen Vortrag zu halten. Ich bin wahnsinnig gespannt, was mich erwarten wird. Natürlich hoffe ich darauf, möglichst viele von DocPatch begeistern und zur Mitgestaltung animieren zu können.
Wir sehen uns in Köln!
Nachdem vergangenen Donnerstag die Open-Data-Plattform DocPatch mit einer Pressemeldung des CCC öffentlich vorgestellt wurde, brach über uns ein mir völlig neues, gewaltiges Echo herein. Es war überwältigend, wie viele Leute wir mit unserer Arbeit begeistern konnten. Über mehrere Kanäle verbreitete sich die Nachricht, dass wir das Grundgesetz versioniert und mit einer Website visualisiert haben, rasend schnell. Hier stachen vor allem vier Kommunikationskanäle hervor:
Auf Seiten der IT-Portale gab es Meldungen von heise online, Golem und Gulli (geschrieben von Chaospott-Mitglied Lars) sowie viele andere. Die dpa brachte zu unserer Freude ebenfalls eine Meldung heraus, die sich schnell auf vielen Nachrichtenportalen quasi unverändert verbreitete: Der Titel “Chaos Computer Club dokumentiert Wandel des Grundgesetzes” findet sich unter anderem bei der Zeit, dem Stern und Focus wieder.
Ganz besonders freute ich über Meldungen aus der “Netzgemeinde” (entschuldigt das Unwort), allen voran von Netzpolitik.org und von einigen anderen.
Interessant fand ich bei den zahlreichen Tweets auf Twitter, dass aus den politschen Lagern die CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestags und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN am schnellsten reagierten. Die Piraten brauchten ein Paar Tage, die SPD war wohl mit ihrem 150. Jubiläum ausgelastet und von den anderen (FDP, Die Linke usw.) war nichts zu lesen.
Das Wichtigste kommt zum Schluss: Auch wenn uns Meldungen in etablierten Nachrichtenportalen große Besucherströme und einen schnellen Bekanntheitsgrad verschafften, war und ist mir die Rückmeldung der Besucher/User das Allerwichtigste. Uns haben bisher zahlreiche Kommentare, Ideen, konstruktive Kritiken, Pull Requests, Fehlermeldungen und vieles mehr erreicht. Bitte, bitte, macht weiter so! Wir kommen kaum mit einer angemessenen Reaktion hinterher, aber das soll niemanden stören.
Vielen Dank an alle, die ich hier erwähnt habe oder nicht erwähnen konnte, und an all diejenigen, die uns unterstützen!
Unser Grundgesetz feiert heute seinen 64. Geburtstag. Glückwunsch an dieser Stelle! Zu diesem Anlass hat sich der Chaospott Essen, ein Ableger des Chaos Computer Clubs (CCC), etwas Besonderes einfallen lassen: DocPatch, eine Open-Data-Plattform, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Grundgesetz transparenter zu gestalten.
An dieser Stelle möchte ich gar nicht so viel schreiben, sondern lieber auf die Webseite verweisen, um sich selbst ein Bild machen zu können:
Der CCC hat eine passende Meldung auf seiner Website veröffentlicht.
An dieser Stelle sei darauf hinzuweisen, dass das Projekt dringend Mitstreiter sucht! Wer sich näher mit der Technik beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgende Links:
Mit der heutigen Veröffentlichung fällt mir ein großer Stein vom Herzen. Viel Arbeit und Zeit sind in das Projekt geflossen. Zahlreiche Leute haben tatkräftig mitgeholfen. Ohne sie wäre die heutige Veröffentlichung nicht möglich gewesen. Daher ein großer Dank an alle, die mitgeholfen haben!
Derzeit bin ich Namen der smartITSM-Initiative auf dem diesjähringen LinuxTag in Berlin unterwegs. Wer mehr darüber lesen möchte, was ich dort so erlebe, darf sich gerne im Blog der Initiative umschauen: